In der digitalen Gesellschaft lässt sich eine neue Lust beobachten – an der Unmündigkeit. Wir lagern Entscheidungen wie die beste Route, den nächsten Lieblingssong oder das Schreiben eines Textes nur allzu gerne an Maschinen aus. „Betreutes Denken“ nennt Konrad Paul Liessmann diese Entwicklung beim 29. Philosophicum Lech, das er gemeinsam mit der Schweizer Philosophin Barbara Bleisch leitet. Im Kultur Kompass sprach der in Wien lebende und lehrende Liessmann über die gesellschaftlichen Folgen der Digitalisierung, über diese neue Lust an der Bevormundung, die Bequemlichkeit des Menschen und die Anstrengungen des Denkens, über das Verlernen von Kulturtechniken durch technischen Fortschritt und darüber, warum wir intellektuell auf ein neues Mittelalter zusteuern.